Gängige und bekannte Ansätzen und Methoden, die von der Seite der Therapie, des Coachings oder der Pädagogik kommen und Elemente des Theaters verwenden, zum Beispiel Rollenspiele, Improvisationstheater etc. benutzen gezielt einzelne Theaterelemente, um ein Ergebnis zu erreichen. Nimmt man die sechs Tiefungsebenen der CoreDynamik als Modell, so verbleiben die bisherigen Ansätze meistens auf der Tiefungsebene 4, also auf der Körperebene mit den Dimensionen Körperwahrnehmung, Archetypen, Klang und Rhythmus, Lust und Energie, auch innerhalb von gruppendynamischen Prozessen.
Erweiterte Dimensionen im CoreTheater
Dem
gegenüber setzt das CoreTheater an der Rollenarbeit an, kommt also ganz
von der Theaterseite, stellt sowohl die Arbeit an der Rolle in den
Vordergrund als auch die persönliche Erfahrung der Teilnehmer bei der
Arbeit. Es gibt hier durchaus gewollte Ähnlichkeiten zu den
psychologischen Methoden der Schauspielerführung, wie etwa bei Stella
Adler und Lee Strasberg (beide kommen von Stanislawski), ihre Methoden
sind für den Laien jedoch nicht geeignet. Die Intensität der Arbeit
würde den ungeübten, unerfahrenen Teilnehmer schlichtweg überfordern. Wird
jedoch die Arbeit an der Rolle durch die Methode der CoreDynamik
erweitert, erfolgt diese Arbeit sehr viel behutsamer und ist immer an
den Möglichkeiten und Potenzialen der Persönlichkeit orientiert, die
als „Schauspieler“ an der Rolle und an sich selbst arbeitet. Es ist
also der Weg über die Tiefungsebenen der CoreDynamik hin zur Rolle mit
dem Ergebnis, daß eine künstlerisch–fiktive Persönlichkeit in all den
Facetten entsteht, die auch das reale Leben bietet. Natürlich gibt
es hier immer wieder Parallelen zur Arbeit des Schauspielers, wie sie
von Stanislawski zuerst konzipiert, von Stella Adler und Lee Strasberg
weiterentwickelt wurden. Nur findet diese Arbeit durch die Anlehnung an
die CoreDynamik nicht strikt rollenfixiert statt, sondern orientiert
sich ganz an den Menschen selbst. Das Ergebnis ist sicherlich
ähnlich: Auf der Bühne steht ein Schauspieler, der eine Kunstfigur zum
realen Leben erweckt und den Zuschauer in seinen Bann zieht. Es sind
die persönlichkeitsbildenden Auswirkungen der Arbeit, die den großen
Unterschied machen. Persönlichkeitsbildende Wirkung des CoreTheater
Während
dieser Arbeit ist es unausweichlich, daß die Teilnehmenden sich nicht
nur verstandesmäßig mit der Rolle auseinandersetzen, sondern sich
selbst in Beziehung setzen zu ihrem Verstand. Und es werden natürlich
und ganz selbstverständlich eigene Gefühle, eigene Bilder in die
Gestaltung der Rolle einfließen wie auch die eigene Biographie. Und
genau diese Wechselwirkung zwischen dem „Leben“ der Kunstfigur, der
Rolle und dem eigenen Leben in all seiner Emotionalität und
Rationalität, seiner Körperlichkeit und der seelischen Komponenten ist
es, was die Wirkung des CoreTheaters ausmacht. Damit werden, im
Gegensatz zu herkömmlichen Methoden der Theaterarbeit, nicht nur alle
Tiefungsebenen der CoreDynamik einbezogen sondern auch psychologische,
gestaltpädagogische und persönlichkeitsbildende Methoden im weitesten
Sinne.
Die spielerische Komponente im CoreTheater
Von
großem Vorteil ist die spielerische Komponente des Vorgehens, die
Behutsamkeit, die einen gewissen persönlichen Abstand zu den Prozessen
ermöglichen. Jeder, der mit dieser Methode arbeitet, hat natürlich auch
jederzeit die Chance, richtig einzusteigen und die Prozesse persönlich
sehr intim an sich heranzulassen. Aber, das sei ausdrücklich betont, es
ist immer ein freiwilliger Prozeß, der sich sehr an der individuellen
Stärke der Persönlichkeiten orientiert. Das Ergebnis dieser
Methode des CoreTheaters ist ein Prozeß, in dem sich die Teilnehmenden
sehr behutsam und über die Brücke der Theaterarbeit intensiv mit dem
eigenen Leben, Denken und Fühlen, dem Core ihrer Persönlichkeit nähern.
Natürlich zieht das auch praktische Veränderungen im täglichen
Leben nach sich: Sicherheit, Selbstbewußtsein, Körperwahrnehmung,
soziale Kompetenz, Rhetorik… diese Aufzählung lässt sich gut erweitern. Je
nach Intensität und Ausrichtung der Arbeit mit dem CoreTheater, vor
allem in Hinblick auf den zeitlichen Rahmen, kann das Ergebnis sowohl
eine öffentliche Aufführung einer kompletten Inszenierung sein als auch
die Erarbeitung einzelner Szenen, die durchaus auch zur Aufführung
gelangen können. Die Auswahl der Rollen oder der Stücke, mit denen
gearbeitet wird, ist schon Teil des gesamten Arbeitsprozesses. Hierbei
lernen sich alle Mitwirkenden von einer Seite kennen, die ihnen vorher
mit Sicherheit unbekannt war.